BATAWAY: Entwicklung eines Verfahrens zur gezielten Lenkung des Raumnutzungsverhaltens von Fledermäusen gegenüber Windenergieanlagen durch artspezifische Ultraschall-Laute

Zielsetzung des Projektes

Das grundsätzliche Ziel des Projektes besteht darin, durch Abstrahlung spezieller Ultraschalllaute Fledermäuse von den laufenden Rotoren einer Windenergieanlage (WKA) fernzuhalten und deren Flugbahnen in ungefährdete Räume zu lenken. Diese Laute sollen grundsätzlich in Zeitfenstern erwarteter Fledermausaktivität permanent ausgesendet werden, um damit die Tiere aktiv fernzuhalten. In Gebieten mit höherer Fledermausaktivität hätte dieses eine erhebliche Steigerung der Energieausbeuten aufgrund nicht mehr notwendiger bzw. kürzerer Abschaltzeiten der WKA zur Folge. Hierzu sind im Rahmen des Projektes geeignete Komponenten und Testverfahren zu entwickeln und zu erproben. Die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen zur Bereitstellung einer solchen Technologie sollen hier gemeinschaftlich erarbeitet werden. Dazu dient auch die Konstruktion und der Aufbau eines Forschungsdemonstrators. Die Entwicklung und Durchführung von geeigneten Prüf- und Testverfahren, die die Wirksamkeit der Technologie nachweisen können, sind ebenfalls Gegenstand der beantragten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.

Fledermausrufe

Zum Einsatz sollen spezifische Sozialrufe der potenziell betroffenen Fledermausarten kommen, namentlich Warn- bzw. Angstrufe. Zu diesem Zweck müssen einzelne Tiere (zunächst sind Großer Abendsegler und Zwergfledermäuse, die beide besonders häufige Schlagopfer werden, gleichzeitig aber noch relativ häufig und damit wenig gefährdet sind, als Testarten geplant) gefangen und unter Gefangenschaftsbedingungen die entsprechenden Laute in höherer Qualität aufgezeichnet werden. Das Spektrum entsprechender Soziallaute von Fledermäusen ist relativ groß, so dass nach der Aufnahme entsprechender Laute zunächst diejenigen planmäßig erforscht werden müssen, die für einen Einsatz besonders geeignet sind. Dabei sind v.a. zwei Aspekte relevant:

  • es müssen diejenigen Laute ausgewählt werden, auf die die Tiere am besten durch Meidung/Flucht reagieren und

  • diese Laute müssen im Ultraschallbereich liegen, um nicht (von Menschen) in der Umgebung von WKA gehört zu werden (gerade eine Reihe von Soziallauten liegen auch (teilweise) im hörbaren Bereich unter 20 KHz).

  • In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, wie und welche der ermittelten, geeigneten Laute verschiedener Arten miteinander „gemixt“ (abgemischt) werden können, um gleichzeitig gegenüber verschiedenen Arten wirksam zu sein.

Schallabstrahler und Steuerung

Die Schallabstrahler bestehen aus leistungsfähigen Hochton-Lautsprecheranordnungen, die von einem speziellen Leistungsverstärker gespeist werden. Die Schallabstrahler sind dazu beweglich zu konzipieren, um einen möglichst großen räumlichen Bereich der Vergrämung zu erfassen und den starken Fokussierungen der Lautsprecher bei hohen Frequenzen entgegen zu wirken. Hierzu ist ein Leistungsverstärker zu konzipieren. Der Konzeption des Leistungsverstärkers kommt bei dem System eine besondere Bedeutung zu, da dieser zum einen einen weiten Frequenzbereich (bis zu 100 kHz) abdecken muss und weiterhin als Verstärker für sehr hohe Leistungen auszulegen ist. Die Steuerung des Verstärkers soll als flexibles Mikrocomputersystem ausgelegt werden, welches nicht nur monofrequente Signale erzeugen kann, sondern auch als Wobbelgenerator (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Wobbelgenerator) sowie als Zuspieler für Soziallaute fungieren kann. Das Lenkungssystem wird sowohl in die Anlagensteuerung der WKA als auch in ein zentrales Leitstellensystem eingebettet. Zudem ist zu erforschen, ob die Lenkungssysteme auch im Verbund eines Windparks betrieben werden können und Fledermäuse weiträumig um einen Windpark (also um eine Gruppe von WKA) gelenkt werden können.